Eine Gruppe lachender Kinder
27.03.17 13:24 Alter: 150 days
Kategorie: JG Pressemitteilungen, Top News
27.03.17

"Niemals gedacht, dass ich so weit kommen würde"

Drei Auszubildende erhalten Heinrich-Sommer-Preis.


Auf dem Dach der JG-Zentrale bei strahlendem Sonnenschein: die Heinrich-Sommer-Preisträger Moritz Keulen, Stephan Grautstück und Leroy Kaiser (v.l.n.r.).

Auf dem Dach der JG-Zentrale bei strahlendem Sonnenschein: die Heinrich-Sommer-Preisträger Moritz Keulen, Stephan Grautstück und Leroy Kaiser (v.l.n.r.).

Drei Auszubildende aus den Berufsbildungswerken der Josefs-Gesellschaft haben den Heinrich-Sommer-Preis erhalten – für hervorragende Leistungen, die über Zeugnisnoten weit hinausgehen.

 

Allen Schicksalsschlägen und Herausforderungen zum Trotz haben sie ihre Chancen genutzt und stehen jetzt selbstständig mitten im Leben: Stephan Grautstück, Moritz Keulen und Leroy Kaiser. Für hervorragende Leistungen im Rahmen ihrer Ausbildung – insbesondere im vergangenen Jahr – wurden sie am Donnerstag mit dem Heinrich-Sommer-Preis 2016 ausgezeichnet. Diesen Preis, dotiert mit 500 Euro, verleiht die Josefs-Gesellschaft (JG) jährlich an jeweils einen Auszubildenden ihrer drei Berufsbildungswerke (BBW). Junge Menschen mit Behinderung erhalten dort eine Erstausbildung im dualen System und werden dabei intensiv unterstützt und begleitet – auch wenn es anschließend darum geht, sich in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren.

„Mit hervorragenden Leistungen meinen wir nicht nur das Wissen und Können, das Sie sich erarbeitet haben, sondern ganz besonders Ihre Entwicklung zu einer starken, selbstbewussten Persönlichkeit“, betonte Dr. Theodor-Michael Lucas, Sprecher der JG-Geschäftsführung. „Auf all das können Sie sehr stolz sein, und wir wollen heute Ihre Freude am Erfolg mit Ihnen teilen.“ Dies geschah im Rahmen einer Feierstunde in der Kölner JG-Zentrale. Dort wurden die Preisträger im Beisein ihrer Angehörigen, Ausbilder und Ausbildungsleiter von JG-Geschäftsführer Manfred Schulte mit einer individuellen Laudatio geehrt. „Wenn man im Leben einen Tiefpunkt erreicht hat, braucht man Widerstandskraft – Resilienz – um wieder aufstehen zu können“, so Schulte. „Diese Widerstandskraft, diese persönliche Stärke, zeichnet Sie alle aus.“

„Auf den Schock folgte der Wendepunkt“

So auch Leroy Kaiser, der seine Ausbildung zum Fachlageristen im BBW des Benediktushofs in Maria Veen absolviert hat und heute in einer international etablierten Werkzeugfabrik arbeitet. „Vor Kurzem hätte ich noch nicht für möglich gehalten, dass ich jemals so weit kommen würde“, freut sich der 22-Jährige. Zunächst sah es so aus, als würde es ihm nicht gelingen, seinen „großen Traum, irgendeine Ausbildung abzuschließen“, zu verwirklichen. Das Lernen bereitete ihm große Probleme, und dementsprechend „niederschmetternd“ fiel auch das erste Jahreszeugnis im BBW aus. „Doch auf den Schock folgte der Wendepunkt“, beschrieb Schulte den Werdegang des jungen Mannes in seiner Laudatio. „Es gibt Menschen, die in einer solchen Situation in Selbstmitleid versinken, andere für ihr Unglück verantwortlich machen und aufgeben. Zu diesen Menschen, Herr Kaiser, gehören Sie definitiv nicht!“ Ab diesem Zeitpunkt war Leroy Kaiser „wie verwandelt“, lernte intensiv und nahm diverse Unterstützungsangebote an, die ihm im BBW geboten wurden, von der Nachhilfe bin hin zur Prüfungssimulation. Mit Erfolg: Mit der Note „befriedigend“ bestand er seine Abschlussprüfung. Im Rahmen eines Praktikums konnte er außerdem seinen künftigen Arbeitgeber von seinen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit überzeugen. „Respekt für diese Leistung, Herr Kaiser, die Sie sich selbst erarbeitet haben“, lobte Schulte.

Erfolgsgeschichte begann an einem Tiefpunkt

Auch Moritz Keulen hat es geschafft: Er arbeitet als Industriemechaniker bei der Thyssen Krupp Rasselstein GmbH, einer Tochterfirma der Thyssen Krupp Steel Europe AG. „Das ist umso erfreulicher, weil auch Ihre Erfolgsgeschichte an einem echten Tiefpunkt Ihres Lebens begonnen hat“, so Schulte. Nach dem Fachabitur hatte der junge Mann gesundheitliche Probleme, die so schwerwiegend waren, dass ihm der Übergang ins Berufsleben zunächst nicht gelang. Im BBW des Heinrich-Hauses in Neuwied fand er Unterstützung und erhielt die Möglichkeit, verschiedene Ausbildungsgänge kennen zu lernen und auszuprobieren. Schnell war klar: Es sollte die Ausbildung zum Industriemechaniker sein. Moritz Keulen hatte wieder Orientierung und eine Perspektive. „Von diesem Zeitpunkt an ging es steil bergauf“, berichtete Schulte. „Von Anfang an arbeiteten Sie ehrgeizig, verantwortungsbewusst, selbstständig und hoch motiviert.“ Als es daran ging, einen Praktikumsplatz zu suchen, machte Moritz Keulen selbst den Vorschlag, es bei Thyssen Krupp Rasselstein zu versuchen – mit Erfolg. Dort lieferte er so gute Ergebnisse, dass er im Rahmen einer VamB-Maßnahme den weiteren praktischen Teil seiner Ausbildung dort absolvieren durfte. VamB ist die Abkürzung für „Verzahnte Ausbildung mit Berufsbildungswerken“, eine Kooperationsmaßnahme der Agentur für Arbeit. Diese hat zum Ziel, BBW-Auszubildende und Betriebe frühzeitig zusammenzuführen und so die Integrationschancen zu erhöhen. „Heute sind Sie ein sogenannter Rasselsteiner“, freute sich Schulte. „Und Sie haben allen gezeigt, dass ein tiefes Loch nur dazu da ist, um wieder herauszuklettern.“

„Etwas Vernünftiges tun“

Stephan Grautstück, Preisträger aus dem BBW des Josefsheims in Bigge, hatte im vergangenen Jahr das dringende Bedürfnis, „etwas Vernünftiges zu tun“. Gesagt, getan: Der angehende Tischler reiste mit einer Hilfsorganisation nach Nepal, um dort drei Wochen lang Häuser für Waisenkinder zu bauen, die beim Erdbeben ihre Eltern verloren hatten. Zurück kam er mit vielen spannenden Erfahrungen, neuen Freunden aus aller Welt und der festen Überzeugung, noch mehr helfen zu wollen. Die zwölfjährige Sujina, die allein mit ihren Geschwistern in Kathmandu lebt, ist jetzt sein Patenkind, das er monatlich finanziell unterstützt. „Direkthilfe ist ganz wichtig für die Menschen in Nepal“ sagt er und seine Augen leuchten, wenn er von seiner Zeit dort erzählt. Auch künftig will er sich sozial engagieren. „Sie, Herr Grautstück, haben in Ihrem jungen Leben bereits so manchen Tiefpunkt erlebt und erfolgreich hinter sich gebracht“, fasste Manfred Schulte zusammen. „Jetzt befinden Sie sich mitten in der Ausbildung, die Ihnen einiges abverlangt. Und trotzdem schauen Sie nicht nur auf Ihr eigenes Leben, sondern setzen sich auch – und das auf beeindruckende Weise – für andere ein.“ Spätestens in zwei Jahre will Stephan Grautstück wieder nach Nepal reisen, als gelernter Tischler mit abgeschlossener Ausbildung.

 

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