Eine Gruppe lachender Kinder
27.08.15 14:29 Alter: 2 yrs
Kategorie: JG Pressemitteilungen, Top News
27.08.15

Lebenserfahrung trifft Neugier

Das Haus Elisabeth in Dillenburg ist Seniorenheim und Kindertagesstätte in einem. Alt und Jung unter einem Dach - ein Erfolgsmodell.


Lena Senior und Leni Junior beim Plätzchenbacken

„Leni und Leni“ bei Plätzchenbacken: Im Haus Elisabeth gehören Begegnungen von Senioren und Kindern zum Alltag.

Leni und Leni sind Freundinnen und ein echtes „Dream Team“. Was die beiden zusammen anpacken – vom Plätzchenbacken bis hin zum Ostereierfärben – gelingt fast immer. Wenn sie sich gegenseitig anschauen, sieht jeder sofort, dass sie sich mögen und verstehen. Das Besondere an dieser Freundschaft: Helene Lengenberg ist 90 Jahre alt, die kleine Leni Lehr erst drei. Kennen gelernt haben sie sich im Haus Elisabeth in Dillenburg, wo Begegnungen zwischen Kindern und Senioren zum Alltag gehören. Denn hier befinden sich – unter einem Dach – ein Seniorenheim mit 179 Bewohnern (inkl. Tagespflege und betreutem Wohnen) und eine Kindertagesstätte mit 40 Kindern.


Das Haus Elisabeth gehört zu den ersten Einrichtungen in Deutschland, die dieses Konzept umgesetzt haben. Die Idee dazu entstand, als in 2011 der Altbau des Hauses Elisabeth, das ursprünglich ausschließlich als Seniorenheim fungierte, kurz vor dem Abriss stand. Die Umbau- und Sanierungskosten hätten die Kosten für einen Neubau überschritten, und somit musste ein Ersatzbau her. „Bei der Planung des Ersatzbaus stellte sich heraus, dass wir von dem Konzept Alt und Jung unter einem Dach alle sehr begeistert sind und dass es dank Fördergeldern für den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen obendrein finanzierbar ist“, erinnert sich Peter Bittermann, Geschäftsführer von Haus Elisabeth. Das Seniorenheim befindet sich in der Trägerschaft des katholischen Sozialunternehmens Josefs-Gesellschaft und vermietet den Kita-Teil des Neubaus an die benachbarte katholische Kirchengemeinde Herz-Jesu, welche die Kita betreibt. „Wir sind sehr froh darüber, dass wir uns für dieses Modell entschieden haben“, sagt Bittermann. Seine Bilanz nach circa eineinhalb Jahren: „Es hat sich als sehr erfolgreich erwiesen.“


Vertrauensvolles Miteinander


Das finden auch die betagten Bewohner. „Eine tolle Idee ist das, alte Leute und Kinder auf diese Weise zusammenzubringen“, sagt zum Beispiel Helene Lengenberg, die gerne an den gemeinsamen Aktivitäten teilnimmt. Zwei Mal pro Woche finden Treffen statt, bei denen die Kinder und Senioren gemeinsam spielen, basteln und singen. Feste wie Ostern oder Weihnachten werden selbstverständlich gemeinsam vorbereitet und gefeiert. „Es ist so schön, zu sehen, wie fröhlich alle Beteiligten bei diesen Treffen sind“, erzählt Tanja Schmitt vom Sozialen Dienst des Hauses. „Die Kinder haben keine Berührungsängste und laufen ganz vertrauensvoll auf die Senioren zu. Viele kennen sich schon gegenseitig mit Namen.“ Anfangs habe es seitens der Bewohner durchaus Vorbehalte gegeben, aus Sorge, es könne zu laut und zu trubelig werden, berichtet Schmitt. „Aber genau diese Senioren sind es jetzt, die in den Ferien als erste fragen: Wann kommen denn endlich die Kinder wieder?“


Auch für die Kleinen ist die Kombination von Kita und Seniorenheim ein Gewinn. „Diese Kinder lernen schon sehr früh, ganz selbstverständlich und offen mit alten Menschen umzugehen, die ja oft auch krank sind oder im Rollstuhl sitzen“, weiß Brigitte Dostal, die Leiterin der Kindertagesstätte. „Sie sind unvoreingenommen und fragen, wenn sie etwas nicht verstehen. Auch für das spätere Leben und den Umgang mit Tod und Vergänglichkeit sind diese Erfahrungen sehr wertvoll.“ Hinzu komme der „besondere Draht“ zwischen den beiden Generationen. „Viele Kinder und Senioren verbringen unheimlich gerne Zeit miteinander“, weiß Dostal. Und deshalb gebe es auch einige Bewohner, die gerne einfach mal zwischendurch, zum Beispiel zum Vorlesen, in der Kita vorbeischauen.


Raum für Begegnung und Rückzug


Spontane Besuche sind fast jederzeit möglich, denn beide Einrichtungen sind durch eine Glastür miteinander verbunden. Diese ist mit einer Klingel versehen, denn die Kinder brauchen ihre Ruhezeiten, ebenso wie die Senioren. „Von Anfang an war uns wichtig, den individuellen Bedürfnissen nach Begegnung und Rückzug gleichermaßen gerecht zu werden“, betont Bittermann. Dies offenbart sich auch in der Beschaffenheit des Gebäudes: Gemeinschaftszonen und diverse Sitznischen laden zum gegenseitigen Kennenlernen und spontanen Aufeinander zugehen ein. Glastüren trennen einerseits Gebäudeteile voneinander, ermöglichen aber andererseits das Wahrnehmen und Beobachten des Anderen. Als Seniorenheim der 5. Generation hat das Haus Elisabeth das Hausgemeinschaftsmodell umgesetzt: Jeweils zehn Einzel-Apartments sind um eine moderne, gemütliche Wohnküche herum angeordnet, die zu Geselligkeit, Spiele-Nachmittagen und gemeinsamen Mahlzeiten motiviert. Bei Bedarf können sich die Senioren jederzeit in ihre eigenen vier Wände zurückziehen, und auch die Kinder können für sich bleiben, wann immer sie möchten. „Dass viele alte Menschen und Kinder gerne Zeit miteinander verbringen, heißt nicht, dass das ständig und bei allen so ist“, betont Bittermann. „Was wir hier machen, ist gelebte Inklusion – und Inklusion bedeutet eben nicht Gleichmacherei, sondern achtsames, respektvolles Miteinander.“


Nicht nur die Kinder selbst bringen frischen Wind und Leben ins Haus, sondern auch ihre Angehörigen und die vielen neuen Verbindungen zu den Nachbarn und zur Kirchengemeinde. Als die Einrichtung im vergangenen Juli ihr 50-jähriges Bestehen feierte, zeigte sich, wie weit sich das Haus Elisabeth – wie es im Fachjargon heißt – in den „Sozialraum“ hinein geöffnet hat und wie groß die Anerkennung für das Projekt ist: 400 Gäste im Alter zwischen drei und 100 Jahren feierten gemeinsam, darunter auch der hessische Sozialminister Stefan Grüttner, Bürgermeister Michael Lotz und der Diözesan-Caritasdirektor Dr. Hejo Manderscheid. Dr. Theodor-Michael Lucas, Vorstandssprecher der Josefs-Gesellschaft, bezeichnete das Haus Elisabeth als einen „Ort der Zukunft und der Erinnerungen, der Lebenserfahrung und der Neugier, der Weisheit und des Staunens – übereinander und miteinander“. Das Haus Elisabeth sei „wirklich etwas Besonderes.“

 

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Nina Louis
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