Eine Gruppe lachender Kinder
01.07.14 14:31 Alter: 4 yrs
Kategorie: JG Pressemitteilungen, Top News
01.07.14

Europa zu Gast in Köln

130 Experten für Rehabilitation aus 17 europäischen Ländern nahmen an einem Kongress zum Thema „Wirkung und Wirksamkeit von sozialen Dienstleistungen“ teil. Gastgeber war die Josefs-Gesellschaft.


Konferenz-Teilnehmerin vor einer Karte, die die Projektverbindungen der epr-Mitglieder zeigt.

Ein europäisches Netzwerk mit Wirkungskraft: Eine Konferenzteilnehmerin begutachtet die vielen Projektverbindungen der EPR-Mitglieder untereinander.

Zum ersten Mal seit zehn Jahren fand die Jahreskonferenz der European Platform for Rehabilitation (EPR) wieder in Deutschland statt: Im nh Hotel im Kölner Mediapark, mit 130 Rehabilitationsexperten aus 17 europäischen Ländern. Die EPR ist ein Zusammenschluss von 29 europäischen Sozialunternehmen, die sich gemeinsam auf europäischer Ebene für die Rechte und Belange von Menschen mit Behinderung einsetzen. Die Josefs-Gesellschaft (JG), Gastgeberin der Konferenz, ist seit vielen Jahren Mitglied. „Wir in der EPR sind ein starkes Netzwerk, können voneinander lernen und uns gegenseitig inspirieren“, sagte Dr. Theodor-Michael Lucas, Sprecher der Geschäftsführung der JG. „Aber vor allem können wir gemeinsam vieles bewirken!“


Die Konferenz stand unter dem Titel „Impact Assessment in Rehabilitation –Wirksamkeit von sozialen Dienstleistungen“ und griff damit ein Thema auf, das mehr und mehr an Relevanz gewinnt. Öffentliche Gelder werden knapper, doch die Nachfrage nach sozialen Leistungen steigt. Daher wird es immer wichtiger, soziale Leistungen messbar zu machen und Schwarz auf Weiß ihre Wirksamkeit nachweisen zu können. Welche Methoden gibt es bereits in den verschiedenen europäischen Ländern, und welche funktionieren so gut, dass man sie zum europäischen Standard machen könnte? In Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden tauschten sich die Konferenz-Teilnehmer gegenseitig aus, um die Ergebnisse anschließend mit in ihr Land und ihr Unternehmen zu nehmen.


Basis für nachfrageorientierte Unternehmensentwicklung


Beleuchtet wurden vier verschiedene Perspektiven der Thematik: Die der Empfänger der sozialen Dienstleistungen (zum Beispiel Menschen mit Behinderung), die der Sozialunternehmen als Leistungserbringer, die der Kostenträger und die der Gesamtgesellschaft. Aus der Sicht der Sozialunternehmen, die ihre Qualitätsstandards trotz des steigenden Kostendrucks halten wollen, ist die Messung der Wirksamkeit eine wichtige und sinnvolle Basis für eine nachfrageorientierte Unternehmensentwicklung. Sie hilft dabei, vorhandene Ressourcen so effektiv und effizient wie möglich einzusetzen. Guus van Beek, eQuass Key Expert aus Belgien, stellte in diesem Zusammenhang das Qualitätsmanagement- und Organisationsentwicklungssystem eQuass heraus: „Es begleitet das Unternehmen hin zu einem Wirkungscontrolling, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt“, so van Beek.

 
„Mit dem Nachweis der Wirkung unserer Leistungen handeln wir nicht aus einem wirtschaftlichen Selbstzweck heraus, sondern in erster Linie für die Menschen, denen unser Auftrag gilt. Wir wollen eine Messbarkeit von Leistungen, die nicht zu Einschränkungen führt, sondern von der die Menschen mit Behinderung profitieren“, betonte JG-Geschäftsführer Manfred Schulte. Auf welche Weise dies geschieht, fasste Jane Fennessy von der Irish Wheelchair Association zusammen, die selbst Rollstuhlfahrerin ist: „Wir können den Effekt von Leistungen an uns selbst spüren“, so Fennessy. Die Wirkung von Leistungen für Menschen mit Behinderung zu messen, bedeute auch, die Betroffenen immer wieder als Experten zu befragen – denn niemand wisse besser als sie selbst, wie wirkungsvoll eine erbrachte Leistung sei. „Das Messbarmachen von Wirksamkeit hat zur Folge, dass wir die Angebote von Sozialunternehmen noch direkter unserem Bedarf entsprechend beeinflussen können. Und das ist wichtig und richtig.“


Für die Kostenträger ist der Wirksamkeitsnachweis ebenfalls von großem Interesse: „Wir wollen die Sicherheit, dass wir die öffentlichen Gelder sinnvoll investieren – im Sinne personenzentrierter Ziele“, erklärte Danute Jasjko vom Ministerium für Soziales in Lettland. „Die Messbarkeit sorgt dafür, dass wir den Effekt einer Leistung Schwarz auf Weiß nachvollziehen können.“


Resonanz sehr positiv


Die Resonanz der Teilnehmer war sehr positiv. Einige Statements von Workshop-Teilnehmern wurden zu einem Video zusammengestellt, das es am Morgen des zweiten Konferenztages als Einstieg zu sehen gab. Mina Kyzridi von der griechischen Organisation Panagia Eleousa, hatte zum Beispiel den Workshop „Development of Key Performance Indicators“ von Donal McAnaney von der Pacific Coast Univerity for Workplace and Health Sciences , Canada, besucht. Darin ging es um Indikatoren zur Messung von Wirksamkeit. „Wir haben gelernt, wie wir Indikatoren entwickeln und sie später auch in der Praxis in unser eigenes Unternehmen implementieren können“, so Kyzridi. „Dazu gab es viele praktische Übungen und Beispiele. Wir nehmen etwas Konkretes mit, was uns wirklich weiterbringt.“ Eine Arbeitsgruppe der EPR wird die Ergebnisse der Workshops für ein Benchlearning aufbereiten, an dem sich alle EPR-Mitglieder beteiligen können.


Die Josefs-Gesellschaft sieht sich als Vorreiter in Bezug auf das Messen der Wirksamkeit ihrer Leistungen. Weitere Informationen dazu im Interview mit den JG-Geschäftsführern Dr. Theodor-Michael Lucas (Sprecher) und Manfred Schulte.