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14.10.11 13:54 Alter: 6 yrs
Kategorie: JG Pressemitteilungen, Top News
14.10.11

„Kein Vorzeige-Azubi, sondern Vorreiter“

Das Nell-Breuning-Berufskolleg im Haus Rheinfrieden, Rhöndorf, und das Bundesinstitut für Berufsbildung haben am Donnerstag einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Ziel ist es, die beruflichen Chancen von Menschen mit Behinderung zu verbessern.


Prof. Dr. Reinhold Weiß, Einrichtungsleiter Matthias Menge, Schulleiter Hans Peter Küpper (stehend von links), der Schüler Christian Jost und der frisch gebackene Auszubildende Hajo Slawski präsentieren den Kooperationsvertrag.

Den passenden Beruf finden und dann auch noch einen Ausbildungsplatz bekommen – für zahlreiche Schulabgänger ist das eine große Herausforderung. Menschen mit Körperbehinderung haben es dabei besonders schwer: Obwohl sie für die meisten Berufe genauso geeignet sind wie ihre Altersgenossen, haben sie oft mit Vorurteilen zu kämpfen und erhalten bei der Job- und Ausbildungssuche eine Absage nach der anderen.
So ging es lange Zeit auch Hajo Slawski, der auf den Rollstuhl angewiesen ist. Erfolgreich hatte er im Nell-Breuning Berufskolleg, einer Schule für Menschen mit Körperbehinderung im Haus Rheinfrieden in Rhöndorf, seinen Handelsschulabschluss absolviert. Dann schrieb er 200 Bewerbungen – vergeblich. „Das war wirklich frustrierend“, erinnert er sich. „Ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben.“ Doch dann ging es für ihn bergauf: Durch Richard Esser, Sozialarbeiter und „Ausbildungslotse“ in Haus Rheinfrieden, erfuhr er von der engen Kooperation des Hauses Rheinfrieden mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn, die bereits seit dem Jahr 2005 besteht.
Das BIBB fungiert als Kompetenzzentrum zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland. Es identifiziert Zukunftsaufgaben der Berufsbildung, fördert Innovationen in der nationalen wie internationalen Berufsbildung und entwickelt neue, praxisorientierte Lösungsvorschläge für die berufliche Aus- und Weiterbildung. Ein Fachausschuss beschäftigt sich speziell mit der Verbesserung der beruflichen Chancen von Menschen mit Behinderung.
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Haus Rheinfrieden berät das BIBB zum Thema Berufliche Bildung, vermittelt Praktika und Ausbildungsplätze und bietet auch selbst immer wieder Stellen im eigenen Hause an. Hajo Slawski bewarb sich beim BIBB – und ergatterte dort einen Ausbildungsplatz zum Fachangestellten für Bürokommunikation. „Ich bin sehr froh darüber, dass das geklappt hat“, sagt er. Seit fast zwei Monaten arbeitet er nun dort und freut sich über die abwechslungsreiche und anspruchsvolle Tätigkeit und das gute Betriebsklima. „Ich will kein Vorzeige-Azubi sein, sondern Vorreiter“, betont er. „Mir ist es wichtig, am Ball zu bleiben und meine Ausbildung erfolgreich abzuschließen – denn es muss dringend ein Zeichen gesetzt werden, dass Menschen mit Behinderung diese Tätigkeiten genauso gut ausüben können wie jeder andere auch.“
Die Kooperation zwischen Haus Rheinfrieden und BIBB wurde am Donnerstag vertraglich besiegelt: Vor der gesamten Schülerschaft des Nell-Breuning-Berufskollegs unterzeichneten Matthias Menge, Einrichtungsleiter von Haus Rheinfrieden, Hans Peter Küpper, Schulleiter des Nell-Breuning-Berufskollegs und Dr. Reinhold Weiß, Vizepräsident des BIBB, den Kooperationsvertrag. Dieser sieht gemeinsame Aktivitäten in einem unbefristeten Zeitrahmen vor – zum Beispiel praxisnahes Bewerbertraining, Informationsveranstaltungen über die im BIBB angebotenen Ausbildungsberufe. Außerdem sollen die Schüler die Möglichkeit erhalten, das BIBB im Rahmen von Betriebsbesuchen und Praktika näher kennen zu lernen. „Herr Slawski ist der lebende Beweis für eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem BIBB“, betonte Menge. Vizepräsident Weiß hob die Gegenseitigkeit der Partnerschaft hervor: „Die Kooperation bietet uns die Möglichkeit, mit den betroffenen Menschen selbst in Kontakt zu treten und uns ein Bild über deren reale berufliche Situation, die vorhandenen Chancen und die bestehenden Herausforderungen zu machen. Nur so können wir positive Entwicklungen initiieren und vorantreiben.“ Schulleiter Küpper ergänzte: „Auch berufliche Schulen haben die Aufgabe, Kompetenzzentrum für den Bereich Arbeit zu sein. Bei der wichtigen Aufgabe, die beruflichen Chancen von Menschen mit Behinderung zu verbessern, können wir uns gegenseitig inspirieren und unterstützen.“

 

Das Haus Rheinfrieden und damit auch das Nell-Breuning-Berufskolleg gehören zur Josefs-Gesellschaft, einem der größten katholischen Sozialunternehmen in Deutschland. Die Josefs-Gesellschaft strebt die Zertifizierung all ihrer Einrichtungen nach dem europäischen Qualitätsmanagementsystem EQUASS an. Es sieht unter anderem die Partnerschaft der Sozialdienstleister mit Institutionen aus dem öffentlichen und sozialen Sektor vor. „Die Kooperationsvereinbarung mit dem BIBB ist für das Haus Rheinfrieden auch ein weiterer Schritt in Richtung EQUASS-Zertifizierung“, so Menge.

 

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