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03.02.11 17:38 Alter: 4 yrs
Kategorie: JG Pressemitteilungen
03.02.11

Josefs-Gesellschaft ehrt Auszubildende

Zum zweiten Mal hat die Josefs-Gesellschaft den Heinrich-Sommer-Preis an drei Auszubildende ihrer Berufsbildungswerke verliehen.


v.l.n.r.: Dr. Theodor Michael Lucas (JG-Vorstand), die Preisträger Mustafa Al-Badry und Waheeda Merza Mohammad, Dr. Frank Frese (JG-Vorstand)

V.l.n.r.: Dr. Theodor Michael Lucas (JG-Vorstand), die Preisträger Mustafa Al-Badry und Waheeda Merza Mohammad, Dr. Frank Frese (JG-Vorstand)

Köln, 1. Februar 2011. Sie sind jung, engagiert und zielstrebig – und alle drei haben aufgrund ihrer körperlichen Behinderung und schwerer Schicksalsschläge mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen: Waheeda Merza Mohammad, Gerlind Biene und Mustafa Al-Badry, die diesjährigen Preisträger des Heinrich-Sommer-Preises. Die Josefs-Gesellschaft (JG), katholischer Träger von Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, verleiht diesen Preis jährlich an drei Auszubildende ihrer Berufsbildungswerke (BBW). Dazu gehören das BBW des Benediktushofes in Maria Veen, das des Josefsheims im sauerländischen Bigge und das des Heinrich-Hauses in Neuwied. Hier erhalten junge Menschen mit Behinderungen eine berufliche Erstausbildung, die auf ihre speziellen Bedarfe und die Bewältigung ihrer besonderen Probleme zugeschnitten ist.
Der Heinrich-Sommer-Preis ist dotiert mit jeweils 500 Euro. Außerdem erhält jeder Preisträger eine Urkunde, die den Bewerbungsunterlagen beigefügt werden kann.
„Mit dem Heinrich-Sommer-Preis möchten wir Ihnen zeigen, wie sehr wir Ihre hervorragenden Leistungen schätzen“, so JG-Vorstandssprecher Dr. Theodor Michael Lucas bei der Preisverleihung in der Kölner JG-Zentrale. Hervorragende Leistungen – damit seien allerdings nicht unbedingt Bestnoten gemeint. „Uns interessiert vor allem die ganzheitliche Entwicklung, welche die jungen Menschen in unseren BBWs vollziehen, die persönliche Stärke, mit der sie ihre individuellen Grenzen überwinden“, erklärte Lucas. 
Alle drei Preisträger haben eine bewegte und bewegende Geschichte hinter sich. Der 22-jährige Mustafa Al-Badry, gebürtiger Iraker, wurde in seinem Heimatland Opfer eines Anschlags. Sein Vater starb, Mustafa wurde angeschossen und ist seitdem querschnittgelähmt. Zur medizinischen Behandlung reiste er nach Deutschland, wo er zunächst ohne finanzielle Mittel, ohne Sprachkenntnisse und ganz auf sich allein gestellt zurechtkommen musste. „Doch Herr Al-Badry zerbrach nicht an den schlimmen Erlebnissen seiner Vergangenheit“, betonte JG-Vorstandsmitglied Dr. Frank Frese in seiner Laudatio. „Er richtete seinen Blick in die Zukunft und nahm sein Schicksal mit viel Motivation und innerer Kraft in die Hand.“ Heute lebt Mustafa Al-Badry im Internat des BBW des Heinrich-Hauses, wo er mit guten bis sehr guten Leistungen eine Ausbildung zum Bürokaufmann absolviert. „Und nicht nur im Rahmen seiner Ausbildung überzeugt er seine Mitmenschen“, so Frese. „Auch seine Wohn- und Lebenssituation gestaltet er selbstständig und engagiert.“ Al Badry freute sich sehr über den Heinrich-Sommer-Preis und bedankte sich auch für die Möglichkeit, im Heinrich-Haus eine Ausbildung zu machen. „Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben und bekomme genau die Hilfe, die ich brauche“, so der 22-Jährige. Seine nächsten Ziele: eine erfolgreiche Prüfung und ein Arbeitsplatz im kaufmännischen Bereich.

Preisträgerin Waheeda Merza Mohammad hat ihre Prüfung zur Bürokauffrau im Josefsheim in Bigge bereits erfolgreich bestanden. Jetzt ist sie auf der Suche nach einem Arbeitsplatz – am liebsten im Bereich Marketing. „Am wichtigsten ist mir, beruflich und finanziell auf eigenen Beinen zu stehen“, sagt die 27-Jährige. Als sie neun Jahre alt war wurde die gebürtige Afghanin im Zuge des Bürgerkrieges schwer verletzt. Wie Al-Badry, so kam auch sie zur medizinischen Behandlung nach Deutschland, wo sie mit 17 Jahren von einer Pflegefamilie aufgenommen wurde. Zunächst konnte sie kaum ein Wort Deutsch, doch sie besuchte Sprachkurse und machte trotz der Sprachbarrieren ihren Hauptschulabschluss. „Ehrgeiz und Motivation – das sind Eigenschaften, mit denen Frau Merza Mohammad immer wieder aufgefallen ist“, lobte JG-Vorstandmitglied Frese. „Sie haben niemals aufgegeben, haben die großen Herausforderungen Ihres Lebens angenommen und bewältigt.“


Es geht immer weiter – so lautet das Motto von Gerlind Biene, der Preisträgerin aus dem BBW des Benediktushofes. „Ein junger Mensch, der das verinnerlicht hat, hat für sein Alter schon viele Höhen und Tiefen erlebt“, betonte JG-Vorstandssprecher Lucas. Gesundheitliche Probleme zwangen die junge Frau dazu, ihr Lehramt-Studium kurz nach der Zwischenprüfung abzubrechen. Im Benediktushof startete sie schließlich einen Neuanfang: eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Immer wieder warfen gesundheitliche Probleme sie zurück, doch sie gab nicht auf und erzielte trotz allem immer wieder gute Leistungen. „Besonders beeindruckend ist auch die Fähigkeit von Frau Biene, sich auch in langen Genesungsphasen noch mit Ausbildungsinhalten zu beschäftigen“, hob Lucas hervor. Nur zwei Monate nach einer mehrmonatigen Auszeit war die 26-Jährige im September 2010 dazu in der Lage, an der planmäßigen Zwischenprüfung teilzunehmen – und diese überdurchschnittlich zu bestehen.


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