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03.08.11 11:38 Alter: 6 yrs
Kategorie: JG Pressemitteilungen
03.08.11

Hilfe für Erdbebenopfer

Orthopädie-Meister des Eduardus-Krankenhauses reiste als Volunteer nach Haiti.


Armut und Misswirtschaft, Kriminalität und Korruption, Umweltzerstörung und Naturkatastrophen – Haiti, einst reiche französische Kolonie, gilt heute als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. 80 Prozent der neun Millionen Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Menschenrechtssituation in dem seit 1804 unabhängigen Land als katastrophal, und auch das Auswärtige Amt warnt Touristen vor Reisen in den gebeutelten Inselstaat.

Karsten Blasberg hat sich davon nicht abschrecken lassen. Der Leiter der Abteilung Orthopädie-Technik im Kölner Eduardus-Krankenhaus, einer Einrichtung des katholischen Sozialunternehmens Josefs-Gesellschaft, arbeitete dort zwei Wochen lang als freiwilliger Helfer für Erdbebenopfer. Das Hilfsprojekt „medi.help for haiti“ hatte dazu aufgerufen – und Blasberg war sofort Feuer und Flamme. Das Eduardus-Krankenhaus stellte ihn eine Woche lang für diese Arbeit frei, für die zweite Woche nahm sich Blasberg Urlaub.


Prothesenbau, Prothesenanpassung und Unterstützung bei den ersten Gehversuchen – das waren die Aufgaben, die er und seine amerikanischen und haitianischen Kollegen in der Hanger-Klinik im Albert-Schweizer-Hospital zu erfüllen hatten. Das Hospital liegt in Deschapelles etwa drei Autostunden von Porto Prince entfernt. „Meine Familie hatte schon ein bisschen Sorge“, erinnert sich der Vater eines siebenjährigen Sohnes. „Aber die kennen mich und wissen, dass ich nicht waghalsig bin und mir sowas vorher genau überlege.“

 
Blasbergs Motivation: „Zum Einen die Freude daran, Menschen, die unter mangelhafter medizinisch-technischer Versorgung leiden, mit meinen Fachkenntnissen helfen zu können“, so der Orthopädietechnikmeister, der auch schon in der Ukraine und in Saudi Arabien unterwegs war. „Wir sind in Deutschland wirklich sehr gut ausgebildet und haben einen hohen Standard.“ Zum Anderen sei es aber auch sein Ziel gewesen, selbst neuen Input zu bekommen – menschlich und beruflich. „Ich habe in Haiti viele wunderbare, sehr dankbare Menschen kennen gelernt“, schwärmt er. „Die Haitianer schlittern seit Jahrzehnten von einer Katastrophe in die nächste und schaffen es trotzdem, viel zu lachen, zu musizieren und sich eine positive Lebenseinstellung zu erhalten.“ Gerne erinnert er sich zum Beispiel an den kleinen Jungen, der mit einer Unterschenkelprothese wieselflink und überglücklich auf dem Klinikgelände Fußball spielte. Oder an den Mann, dem er eine Prothese bis ans Hüftgelenk angepasst hatte und der damit hochmotiviert von morgens bis abends gehen übte – von Depression oder Unzufriedenheit keine Spur.


Doch Blasberg kommt auch auf Ereignisse zu sprechen, welche das große Elend Haitianischen Inselbewohner deutlich machen. So sei es zum Beispiel nicht üblich, dass die Patienten in den Krankenhäusern mit Nahrung versorgt würden. „Im Albert-Schweizer-Hospital war immer volles Haus, weil Familienangehörige anreisen mussten, um den Kranken Essen zu bringen“, berichtet er. Eine junge Patientin, die aus dem Epizentrum des Erdbebens stammte und ihr Bein verloren hatte, stand eines Abends plötzlich schüchtern vor der Haustür der freiwilligen Helfer. „Wir wussten zuerst gar nicht, was sie wollte, und dann stellte sich heraus, dass sie einfach nur schrecklichen Hunger hatte“, so Blasberg. „Alle ihre Angehörigen waren bei dem Erdbeben ums Leben gekommen.


Blasberg war der erste deutsche Volunteer, der im Rahmen des „medi“-Projektes nach Haiti reiste. Jetzt steht er denen, die in seine Fußstapfen treten, mit Rat und Tat zur Seite. „Die Erfahrungen, die ich dort gemacht habe, kann mir keiner nehmen und ich werde sie im Eduardus-Krankenhaus in meinen Alltag integrieren“, sagt der 48-Jährige. Als Konsequenz hat das Eduardus-Krankenhaus bereits 250 Handstöcke und 100 Paar Unterarmgehstützen gespendet und nach Haiti geschickt. Im nächsten Jahr möchte Blasberg wieder mit „medi“ in den Inselstaat reisen – „wenn meine Frau nichts dagegen hat“, sagt er mit Augenzwinkern.


Wer sich für weitere Berichte und Fotos aus dem Arbeitsalltag von Karsten Blasberg in der Hanger Klinik interessiert, kann diese nachlesen und nachschauen unter www.medi-for-help.com.