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10.08.11 14:38 Alter: 6 yrs
Kategorie: JG Pressemitteilungen
10.08.11

Indische Küche, bayerischer Akzent und geistliche Impulse

Sechs indische Ordensschwestern bereichern den Alltag im Altenheim Haus Elisabeth


Gruppenbild der sechs indischen Schwestern

Ein ganz normaler Mittag im Haus Elisabeth, einem Altenheim im hessischen Dillenburg: Es duftet nach Schweinebraten, in den Gemeinschaftsräumen warten die Bewohner plaudernd auf ihre Mahlzeiten, die das Pflegepersonal liebevoll verteilt. Mittendrin tauchen immer wieder sechs exotisch aussehende junge Frauen auf. Sie tragen lange, schwarze Gewänder und weiße Schleier, die sich deutlich von ihrer dunklen Hautfarbe abheben. Es sind Schwestern vom Franziskanerorden des Heiligen Aloysius von Gonzaga, die im Herbst 2010 aus dem indischen Pondicherry nach Dillenburg kamen, um im Haus Elisabeth ein Schwesternkonvent zu gründen. Jetzt packen sie dort nicht nur tatkräftig mit an, sondern sorgen auch für frischen Wind und geistliche Impulse. „Durch die Anwesenheit der Schwestern hat das Haus an Strahlkraft gewonnen“, meint Heimleiter Peter Bittermann. „Mit ihrer Offenheit und Fröhlichkeit sind sie eine Bereicherung für die Mitarbeiter und die Bewohner.“


Das Pflegepersonal war zunächst skeptisch, als es um die Zusammenarbeit mit den Schwestern ging. „Vor allem die jungen Mitarbeiter wussten nicht, ob sie in Gegenwart der Ordensfrauen auch mal einen Witz machen dürfen“, erzählt Altenpflegerin Dorothea Gerth. „Aber dann haben wir alle gemerkt, wie positiv und aufgeschlossen sie sind und dass wir viel voneinander lernen können.“ Wohnbereichsleiter Roland Penktner schätzt auch den spirituellen Einfluss der indischen Schwestern: „Seit sie hier sind, sprechen wir vor jeder Teamsitzung ein gemeinsames Gebet, bevor es dann um die harten Fakten geht“, so Penktner. „Das kommt bei den Mitarbeitern sehr gut an und stärkt die Zusammenarbeit. Und wenn Bewohner unruhig werden, dann wirken die Schwestern auf eine besondere Weise schlichtend – vielleicht liegt das an ihrer Ausstrahlung oder an der Art ihres Zuspruchs.“ Sprachprobleme gab es nicht, denn die Franziskanerinnen hatten vor ihrer Ankunft in Dillenburg einen Sprachkurs in Bayern absolviert. Das erklärt, warum sich gelegentlich Bajuwarisches in ihren indisch-englischen Akzent mischt: „Grüß Gott“, heißt es zur Begrüßung“, und zu Brötchen sagen sie „Semmel“.


Oberin Schwester Veda und ihre Mitschwestern Sharmila, Ethel, Louisa, Anastasia und Leoni lachen viel und herzlich – obwohl ihre Entsendung nach Deutschland für sie alle eine große Herausforderung darstellte. Von ihrer Oberin in Indien wurden sie für die Arbeit in Deutschland ausgewählt. Ein „Nein“ wäre zwar möglich gewesen, kam aber eigentlich nicht in Frage. „Wenn es um unsere Oberin geht, kennen wir nur ein Ja“, erklärt Schwester Louisa. Gehorsam gehört zum Ordensgelübde, das sie abgelegt haben – und diese Entscheidung haben sie nie bereut, da sind sich die indischen Schwestern einig. Doch Heimweh haben sie trotzdem. Wenn sie in ihrem Konvent im Haus Elisabeth ihre Mahlzeiten kochen, dann duftet es nach Ingwer, Chili und Curcuma. Jeden Tag wird über das Internet mit der Familie in Indien telefoniert.


Drei der Ordensfrauen sind im Haus Elisabeth als Altenpflegehelferinnen tätig, die anderen drei absolvieren dort eine Ausbildung zur Altenpflegerin und besuchen deshalb zusätzlich die Altenpflegeschule des Lahn-Dill-Kreises. Ihre Mitarbeit beruht auf einem Gestellungsvertrag, den das Haus Elisabeth mit dem Orden in Pondicherry abgeschlossen hat. Bezahlt werden die Schwestern nach dem in Deutschland üblichen Lohn, wobei sie – gemäß ihrem Armutsgelübde – ein sehr bescheidenes Leben führen. Was vom Lohn übrig bleibt, kommt dem Orden in Indien zugute, der sich dort insbesondere für mittellose Waisenkinder einsetzt. „In Indien gibt es keine Krankenkasse und auch sonst keine staatlichen Hilfen“, erklärt Schwester Veda. „Ein Großteil der sozialen Arbeit wird von Ordensschwestern übernommen.“ Allerdings gebe es in Indien auch viel mehr Zusammenhalt und Hilfe innerhalb der Familien und damit nur sehr vereinzelt Altenheime – ein großer kultureller Unterschied, der die sechs Inderinnen anfangs schockierte. „In Indien werden alte Menschen ganz selbstverständlich von ihren Kindern gepflegt“, sagt Oberin Veda. Auf die Frage nach einer Lösung dieses deutschen Problems lassen die Schwestern wieder mal ihr herzliches Lachen ertönen. „Mehr Kinder kriegen!“ antworten sie wie aus einem Munde.


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