Eine Gruppe lachender Kinder
30.11.10 16:15 Alter: 4 yrs
Kategorie: JG Pressemitteilungen
30.11.10

Personal & Entwicklung

Beim 8. Kongress der JG-Gruppe drehte sich alles um die Herausforderungen des demografischen Wandels und deren Bewältigung.


v.l.n.r.: Franz-Josef Schwarzkopf (KJF-Akademie), Prof. Dr. Holger Pfaff, Dr. Elke Driller (IMVR Uni Köln), Thomas Müller (Personalberatung conQuaesso®), Dr. Frank Frese, Dr. Theodor-Michael Lucas (JG-Vorstand)

v.l.n.r.: Franz-Josef Schwarzkopf (KJF-Akademie), Prof. Dr. Holger Pfaff, Dr. Elke Driller (IMVR Uni Köln), Thomas Müller (Personalberatung conQuaesso®), Dr. Frank Frese, Dr. Theodor-Michael Lucas (JG-Vorstand)

Der demografische Wandel schreitet voran und stellt Unternehmen in Deutschland, ganz besonders im sozialen Bereich, vor Herausforderungen: Immer weniger Geburten, immer weniger Nachwuchs auf dem Arbeitsmarkt und zugleich eine rapide wachsende Anzahl alter und pflegebedürftiger Menschen. Die Josefs-Gesellschaft will diese Herausforderungen bewältigen und die Entwicklungen der Zukunft aktiv mitgestalten. Der diesjährige JG Kongress am 26. und 27. November im Bonner Gustav-Stresemann-Institut stand deshalb unter dem Thema „Personal & Entwicklung“. Die Teilnehmer: rund 150 Mitarbeiter und Führungskräfte aus allen JG-Einrichtungen.

„Der demografische Wandel verlangt nicht nur die ständige Anpassung und Entwicklung unseres Dienstleistungsangebotes und –spektrums“, betonte Vorstandssprecher Dr. Theodor-Michael Lucas bei der Begrüßung. „Er bringt auch neue Anforderungen an Mitarbeiter und Arbeitgeber mit sich.“ Einigkeit herrschte darüber, dass künftig, angesichts Personalmangels und wachsenden wirtschaftlichen Drucks, noch mehr Flexibilität seitens der Mitarbeiter gefragt sei. Zugleich müssten jedoch die Arbeitsfähigkeit, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter gewahrt bleiben.

Das Gebot der Stunde: „Flexicurity“

Ein wichtiges Schlagwort in diesem Zusammenhang ist „Flexicurity“, ein Kofferwort aus „flexibility“ (egl.: Flexibilität) und „security“ (engl.: Sicherheit). „Dieses Konzept soll die Bedürfnisse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Einklang bringen“, erklärte Prof. Dr. Holger Pfaff vom Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft  (IMVR) der Universität zu Köln. Wenn der Mitarbeiter noch flexibler werden solle, müsse ihm der Arbeitgeber im Gegenzug die notwendige Sicherheit bieten. Flexibilität bedeute Anpassungsfähigkeit an die Umwelt und sei Voraussetzung zum Überleben, so Pfaff. Sicherheit sei jedoch als Grundlage für Handlungsfähigkeit nicht weniger wichtig. „Das Bedürfnis nach Sicherheit setzt direkt nach den Grundbedürfnissen ein“, betonte der renommierte Sozialwissenschaftler. Ein Modell zur Umsetzung von „Flexicurity“ sei zum Beispiel Beschäftigungssicherheit statt Arbeitsplatzsicherheit. „Als Konzern mit 17 Einrichtungen haben Sie die Möglichkeit, Ihren Mitarbeitern die Sicherheit einer Weiterbeschäftigung innerhalb der JG zu bieten – wenn genügend Flexibilität vorhanden ist, auch mal den Standort zu wechseln oder sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen“, regte Pfaff an.

Vorstandmitglied Dr. Frank Frese rief dazu auf, althergebrachte Strategien und Handlungsweisen zu überdenken. „Erfahrung macht dumm“, so Frese. „Wenn wir unsere Erfahrungen nicht in Frage stellen, werden wir die Entwicklung nicht gestalten, sondern erleiden.“ Noch wichtiger als bisher sei künftig die Mitarbeiterpflege. „Wir brauchen Empowerment für unsere Mitarbeiter, denn nur empowerte Mitarbeiter können die Leistungsnehmer zu Verantwortung und selbstbestimmter Teilhabe befähigen.“

Empowerment für die Mitarbeiter

Ökonomischer Druck, personelle Engpässe, medizinisch-technischer Wandel – die Anforderungen an das Personal sind vielfältig und können zu Stress-Symptomen bis hin zum Burn-Out, der völligen emotionalen Erschöpfung und Arbeitsunfähigkeit, führen. Dr. Elke Driller vom IMVR der Universität zu Köln betonte, die Krankschreibungen aufgrund des Burn-Out-Syndroms hätten innerhalb der letzten fünf Jahre um 17 Prozent zugenommen. Hierbei spielten zwar auch individuelle Faktoren eine Rolle, insbesondere aber institutionelle und Teamfaktoren. So habe ein Mitarbeiter, der durch seine Kollegen nicht unterstützt werde, ein zweifaches Risiko, an Burn-Out zu erkranken. Wem die Unterstützung durch den Vorgesetzten fehle, erkranke sogar viermal so häufig. Zur Vorbeugung sei es unter anderem notwendig, die konkreten Arbeitsbedingungen vor Ort zu verbessern und Führungskräfte entsprechend zu schulen. Unter Kollegen solle man „achtsam sein“ und sich mit dem Berufsrisiko Burn-Out intensiv auseinandersetzen. „Und ganz wichtig: Immer die Pausen einhalten und gut essen!“ riet Driller.

Die Mitarbeiterpflege stellte auch Franz-Josef Schwarzkopf, Leiter der KJF-Akademie der Katholischen Jugendfürsorge Augsburg e.V., in den Vordergrund. „Die Generation der sozial engagierten, ständig verfügbaren und pflegeleichten Mitarbeiter ist endgültig ausgestorben“, so Schwarzkopf. Das Personal sei nur langfristig zu halten, wenn Arbeitsatmosphäre und Führungskompetenzen stimmten und man mit den Mitarbeitern kontinuierlich im Dialog bleibe. Wichtig für ein katholisches Sozialunternehmen wie die Josefs-Gesellschaft sei es auch, die christliche Wertorientierung glaubwürdig umzusetzen.

„Hilfe, wir altern!“

„Hilfe, wir altern!“ begann Thomas Müller, Leiter der Personalberatung conQuaesso® der contec GmbH, seinen Vortrag. Jeder dritte junge Mensch müsse sich heute für einen Beruf in der Altenpflege entscheiden, wolle man den heutigen Personalschlüssel aufrechterhalten. Er rief dazu auf, die Leistung und Erfahrung älterer Mitarbeiter intensiver zu fördern, denn es gebe keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Alter und Leistungsfähigkeit. Vielmehr spielten Lernanregungen, Training und Sozialisation dabei eine Rolle. „Erfahrene Mitarbeiter wissen viel, sie wissen es aber oft nicht“, stellte Müller fest. Es gelte also, Selbstbewusstsein aufzubauen und den Wissenstransfer zwischen Alt und Jung aktiv zu unterstützen, zum Beispiel durch gemischte Teams und „Lerntandems“.

Alle Vorträge sowie die Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen des 8. JG-Kongresses werden in Kürze in einer Dokumentation nachzulesen sein. Die Josefs-Gesellschaft wird die Veröffentlichung zur gegebenen Zeit bekannt geben.